August 12

Dresden Tag 1/5

So jetzt muss ich das Erlebte auch mal festhalten nach den spannenden und spontanen Tagen. Ich bin letztens spontan nach Dresden gereist. Ja, ich darf „gereist“ sagen. Es war eine Reise, morgens früh um 5:38 fuhr mein IC-264 los, musste zwei Mal umstiegen, wobei mich die Leute immer jedesmal  dabei beobachtet haben. Vielleicht wegen meiner Kuscheltier-Kuh, die aus meinem Rucksack schaute? Nunja, die kommt immer mit, wenn ich verreise. Ohne großem Ziel ging es dann los. Ich hatte für den Tag noch keinen Plan, wusste nicht wo ich schlafen werde, wusste nicht wo ich essen werde. Ich fühlte mich frei. Ich vergas die Zeit. Ich kann nur empfehlen, das bewusst mal zu tun. Handy aus, Uhr weg, Freiheit.

Als ich in Dresden ankam, habe ich zehn Minuten gebraucht, um aus diesem verdammten Bahnhof zu gelangen. Wenn ich mich recht erinnern kann, gibt es vier oder fünf Ein- beziehungsweise Ausgänge. Zugein- und ausfahrtsein- und beziehungsweise ausgänge habe ich jetzt nicht mitgezählt sowie versteckte Türen, Fenster und Notausgänge. Jedenfalls habe ich mich verlaufen. Und ich musste auch noch ganz dringend zum Klo. Irgendwann fand ich den richtigen Ausgang Richtung Altstadt und fühlte mich wieder frei. Nicht mehr gefangen im Verwirrungs-Bahnhof. Ja, dann lief ich los, mit Sack und Pack.

Man sagte mir sogar, ich sähe aus, wie eine Backpackerin. Ich habe mich wieder gefreut. An der Frauenkirche angekommen, hatte ich aufeinmal übelst Hunger. Bis zur Neustadt ist es noch ziemlich weit, dachte ich, als ich einen Stadtplan klaute. Sorry, ich hatte wirklich keine Lust mein ganzes Gepäck an meinem Körper für einen Euro abzulegen und wieder auf meinen Körper zu legen. Dann hätte mich der Hexenschuss oder sonst irgendein Schuss begrüßt. Mein Portemoneee (oder wie mans schreibt) lag praktischerweise ganz unten im Rucksack. Das war auch ein Geheimtipp von Mutti, sonst wird das Portemonaieee geklaut und so.

Als ich oben am Terassenufer saß und entspannt auf die Elbe schaute, Gepäck vom Körper abgeschmissen und immernoch mit quälendem Hunger, wollte ich aber zunächst die Stadtkarte studieren, sodass ich im coolsten Fall aller Fälle sagen kann, dass ich hier wohne und Straßennamen benennen kann. Nach ein paar Minuten beobachtete ich dunkle Gewitterwolken. Och nä, dachte ich. Gepäck wieder auf den Körper geschmissen, Rucksack auf, Longboard dahinter, Brusttasche dran und Berlin-Ampelmann-Jutebeutel um meine linke Schulter.

Zurück geht’s in ein Restaurant an der Frauenkirche. Ohne zu wissen, was es dort zu essen gab, setzte ich mich in ein 1900er Restaurant. Ich bestellte was mit Gemüse und so ganz genau weiß ich den Rest auch nicht mehr, aber es schmeckte mir nicht gut. Da ich das Gewitter und den Regen noch abwarten wollte, habe ich es mir bequem gemacht und habe meine Schuhe unter dem Tisch ausgezogen. Ich beobachtete andere Menschen, wie sie sich unterhielten und Fotos vom Essen machten und es auf Instagram posten. Bei der Erinnerung daran verdrehe ich ja schon die Augen. Na gut, jeder wie er meint. Einige Minuten später kam eine Kellnerin und bat mich meine Schuhe bitte wieder anzuziehen. Das machte mich etwas traurig gemacht. Ich dachte, ich kann mich wie zu Hause fühlen bei dem Wetter.

Ich ging zum Klo und fand eine Steckdose, wo ich mein Handy jetzt aufladen wollte. Die Omis, die nacheinander reinkamen, schauten mich auch verwirrt an, aber ich dachte mir nichts dabei.

Gewitter ging vorbei, somit lief ich los, über die Augustusbrücke, (wo ich einen Handwerker bat ein Foto mit meiner Kamera von mir zu machen. Er stellte aber leider seinen Werkzeugkoffer neben mich, sodass ich ihn auf dem Foto sehen kann. Aber schöne Erinnerung), Richtung Neustadt, am goldenen Reiter vorbei, weiter zum Albertplatz und direkt auf meine Lieblingsstraße: die Alaunstraße.

Ich konnte dieses abgeranzte Feeling schon spüren. Ich freute mich so sehr Katys Garage wiederzusehen. Ein deutliches lautes Lachen kam in mir auf, als ich auf dem Schild las: Heute 500g Gute Laune nur 3,30€ bitte am Tresen abholen. Ich fotografierte es direkt und ein Mann schaute dabei zu.

Danach setzte ich mich in das Café, wo ich mich immer schonmal reinsetzen wollte. Das eck-stein- Café an der Louisenstraße. Es schaut so schön bunt und friedlich aus und ich wählte mir einen Ananas-Slush. Da ich ja noch keine Übernachtungsmöglichkeit hatte, telefonierte ich mit einem Backpack-Kumpel aus Münster. Seine Weltreise beeindruckte mich und er hat mir ein Hostel an der Görlitzerstraße empfohlen. Zur weiteren Entspannung und Beruhigung las ich meine Happinez-Zeitschrift weiter und als mein Slush aufgeslusht war, lief ich los.

Auf dem Weg dort hin fand ich einen super süßen Laden und mir gefiel jedes einzelne Produkt auf der Stelle. So wunderbare süße Sachen. Das muss ich mir merken. Ich kaufte mir dort nur ein Reisetagebuch. Aber diesmal lohnte es sich den einen Euro rauszusuchen.

Am Hostel angekommen wurden alle meine Erwartungen übertroffen. Ich fühlte mich auf der Stelle sowas von wohl. Das war ein unglaubliches Gefühl. Überall Flyer, Backpack-Reisen-Erfahrungsberichte, Landkarten, Unternehmungsangebote und von außen eine schöne bunte Fassade. An der Theke, wo man sein Zimmer wählen kann und wo man dann beraten wird, stand ein altes Klavier als Taschenablage. So eine Ablage wie an der Brottheke. Ich kann es nicht gut erklären, aber es stand dort und sah schön aus.

Plötzlich war ich mir unsicher. Soll ich da echt einziehen? In ein achter-Zimmer mit unbekannten Menschen? Es steht schon lange auf meiner Liste, und jetzt habe ich die Möglichkeit, dachte ich mir. Ich zog ein. Bekam Bettwäsche, Schlüssel mit der Nummer 35, eine Frühstücksmarke und einen Internetzugangscode.

Nach dem Einchecken ging ich aber irgendwie aus irgendeinem verrückten unbekannten unbewussten Grund in Zimmer 34. Bett bezogen, Stuff untergebracht und mich mit einer Koreanerin angefreundet. Sie wollte direkt meine Freundin sein. Das heißt, sie klebte an mir. Als ich meinen Schrank zuschließen wollte, passten meine Schlüssel nicht. Die Koreanerin sah dann direkt, dass ich einen Schlüssel für Zimmer 35 hatte. Oh noooooo. We began to laugh. Somit musste ich umziehen. In Zimmer 35 chillte ein Boy aus Kanada dort. “Hey I´m Sarah” und er lachte sehr über meine Story.

Nach dem Chaos fuhr ich ne große Runde Longboard. Direkt an der Elbe entlang. Machte Videotagebuch und entdeckte dort die Natur. Zurück am Hostel starteten wir einen „Night Walk“ mit einem Stadtführer. Er war der coolste Stadtführer, den ich je kennengelernt habe. Mit seiner unglaublich witzigen Mimik und Gestik führte er uns in der Neustadt umher und zeigte uns Insider und Kneipen. Ich kenne seinen Namen nicht mehr, aber es war was mit D. Nenne ich ihn jetzt Dieter.

In einer Kneipe tranken wir etwas, das hieß Tiefengrund. Da die Führung auf Englisch war, habe ich die Bedeutung und Erklärung jetzt nicht mehr auf dem Schirm. Ich weiß nur, dass der Kellner zwei verschiedene Socken trug. Meine Augen wurden sehr groß und ich habe es mir vorgenommen, es ihm zu sagen, wenn wir rausgehen. Und das habe ich auch getan. Er fühlte sich sehr geehrt und wir zeigten uns gegenseitig unsere verschieden-farbige Socken. Ich riet ihm, andere Menschen dazu anzustiften.

Gleich darauf erzählte er mir von dem zweiten Kellner, der ebenfalls so verrückt drauf ist wie wir. Aber was ist schon verrückt?! Ich ging zu ihm und sagte, dass der Toni mir sagte, dass er auch zwei verschiedene Socken trägt. Er freute sich so sehr und kam einfach nicht drauf klar und lachte ganz viel und freute sich wieder, als er meine sah. Ab da an sagte ich, dass ich ihn ab jetzt jeden Tag besuchen möchte und dann tauschen wir uns über unsere Socken aus. Welche haben wir an, welche Inspiration hatten wir etc etc.

Dieter führte uns an eine Wand. Er sagte, es sei seine eigene Wand. Dort stand gesprayed: Bevor ich sterbe will ich…. und daneben konnte man mit einem weißen Edding etwas schreiben. Man hatte nur eine Chance. Ich überlegte kurz, danach schrieb ich auf: to find myself. Die Australierin schrieb: discover. Schrieb nach fünf Minuten dahinter : something. Gegenüber von der Wand gab es ein schwarzes Haus, aufdem man mit Kreide etwas malen konnte, z.B. Standart Sprüche wie: Kein Mensch ist illegal. Ich malte aber nur ein Herz.

Für den ersten Tag dort habe ich echt viel erlebt, aber ein paar Sachen kommen noch hinzu. Ich werde zwar gerade leicht müde vom schreiben, aber dieser Tag brachte mir Selbst sehr viel.

Kurz vor Mitternacht liefen wir vor die Scheune auf die Alaunstraße. Es war das Schaubuden-Sommer-Fest. Da ich noch ein bisschen Zeit hatte bis Mitternacht, lief ich zum Dönermann und bestellte einen Halloumi Falafel. Richtig günstig für viel Essen.

Plötzlich kam ein Typ, der einen Expresso bestellte. Ich schaute ihn an und sagte, dass ich es lustig finde, einen Expresso in einer Dönerbude zu bestellen und es in einem Pinnchen serviert zu bekommen. Er lachte herzlich und trank es genüsslich. Dabei erzählte er, dass er aus der Schweiz komme und jetzt noch feiern gehe. Ich fand die Aktion immer noch lustig und habe ein Foto von uns beiden gemacht.

Jetzt war Mitternacht. Aus der Scheune spatzierte eine süße Musikgruppe mit süß-klingenden Instrumenten. Viele Menschen liefen ihnen nach. Alle versammelten sich an der Louisenstraße an einem großen Platz. Die sechs köpfige Musiktruppe, die schnelle lustige Songs spielten (Sorry, mir fällt der Musikstil gerade nicht ein), lieferten uns ein spaßiges Konzert. Nach einer halben Stunde war es vorbei und sie liefen wieder in die Scheune zurück. So schnell und spontan sie da waren, waren sie auch schon wieder weg. Dieter hat entschlossen, dass wir jetzt in Katys Garage gehen. Ich war eigentlich viel zu müde und kaputt vom Tag und meine Beine taten so weh, aber ich bin noch kurz mit rein. Es war sehr spaßig, weil ich mit der Australierin gut abgegangen bin. Sie fande es lustig, wie ich mit meinen Armen hin und her tanzte und sie machte es mir nach. Nach kurzer Zeit entschloss ich zum Hostel zu gehen. Die Australierin kam mit mir, jedoch verstand ich kein Wort von ihr, aufgrund ihrem krassen Englisch und Akzent dazu. Sie war eine richtig Englisch-sprechende-Person. Ich verstand nur, dass sie Mathe mochte und dafür mochte ich ihr Lächeln. Am Hostel angekommen, fiel ich direkt ins Bett. Alle schliefen. Erster Tag geschafft und zuende.



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Posted 12. August 2014 by Frau Krearah in category Allgemein

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