August 15

Der Balkon, der Geschichten schreibt

Dieser Tag war wunderbar. Es ist der vorletzte Tag in Dresden und ich habe einen alten Freund besucht. Hannes wohnt eigentlich mitten in der Neustadt, und da ich Überraschungen liebe, wer hätte es gedacht, habe ich ihn einfach überrascht. Ich musste mich erstmal wieder an seine Sprache gewöhnen, weil er so ne lustige sächsische Ausdrucksweise hat, was ich ziemlich positiv lustig fand. Ja ich fand es durchaus witzig und habe sogar einige Wörter fürs Leben gelernt. Wir gingen nochmal raus in die Stadt, weil ich ihm unbedingt die Wand zeigen wollte mit dem „Bevor ich sterbe will ich“-Zeugs und ich es fotografieren wollte.

Dann habe ich endlich meine Postkarten abgeschickt, die ich schon seit einigen Tagen mit mir rumschleppte, sogar als ich im Katys feiern war.

Es war total schwül an diesem Tag und ich war auch langsam ziemlich kaputt von der ganzen Aufregung, sodass ich mich kurzzeitig in den Alaunpark gechillt habe. Auf dem Weg dorthin, bin ich an der Kneipe vorbei und wir haben ein Gespräch über unsere Socken geführt.

Später passierte etwas urkomisches: Ich wurde gefragt, ob ich „hier wohne“ und ob ich denn erklären könnte, wo die Albertstraße sei. Ich sagte, dass ich natürlich „hier wohne“, und zusätzlich erklärte ich noch einige Straßen, wo man in der Neustadt gut essen konnte. Als das Ehepaar mittleren Alters weiterging und die sich großzügig bei mir bedankt haben, blieb ich stehen und sagte zu mir: „Du wohnst jetzt hier?!“ Ich habe mich selbst nicht erkannt, aber so muss es wohl gewesen sein. Ein Husch vom Glück brach in mir auf, ich schüttelte den Kopf und ging weiter.

Zurück bei Hannes verdrehte ich diesen bunten Würfel aus den 90ern. Den man in verschiedensten Variationen verdrehen kann. Und Hannes dreht ihn einfach in einer Minute wieder richtig. Er versuchte mir auch zu erklären, wie das geht, dass man erst ein Kreuz aufbauen muss, dann die Ecken…..und so weiter. Mein Gehirn ist leider nicht so schnell. Er sagte einfach: „weil ich ´s kann“. Ich sagte sowas früher nie, weil es immer arrogant rüber kam, aber hierbei stimmt es wirklich, dass man einfach öfter sagen könnte, dass man es kann und es drauf hat. Man sollte dazu stehen und Menschen mit eigenen Talenten auch beeindrucken. Schön.

Wir saßen auf seinem Balkon und haben die vorbeifahrenden Menschen gesehen. Es war eine schmale Straße. Und es gab bockige Autofahrer, die den anderen nicht vorbeilassen wollten, wenn man nicht vorbeikam, also wenn die Autos sich so gegenüber stehen und die Fahrer sich dann anzicken. Der Balkon hat an diesem Abend wirkliche Geschichten geschrieben. Das allerallerallerlustigste, was wir gesehen haben, und da fange ich jetzt schon wieder an zu lachen, weil es einfach so passte, war ein Typ mit einer Pizza. Er kam auf seinem Fahrrad angefahren, hielt am Bordstein an und klappte den Pizzadeckel hoch. Hannes und ich beobachteten ihn und sagten nichts, weil wir wussten, dass es spannend wird. Ok, wenn ich es jetzt hier so aufschreibe, klingt es wahrscheinlich gar nicht spannend. Es ist einfach eine Situationskomik und stattdessen mich hier so zu stressen, lasse ich die Story lieber. Es würde sie glob ich keener verstehen.

Nach einigen Stunden gingen wir noch zur Elbe und schauten uns den Mond an. Hannes trug ebenfalls zwei verschiedenen Socken. Ich war so baff.

Der Weg zur Elbe war leicht gruselig, aber es war nicht kalt, also war es okay. Ich war echt tiefenentspannt, als ich da am Elbufer lag, weil mir die Stille aufgefallen ist. Ich hörte nichts, außer zirpende Grillen und eine mittelstark befahrene Straße. Aber zwischendurch war es so still, dass es schon unheimlich war. Aber der Mond war da, somit brauchte ich keine Angst zu haben. Als wir zurück waren, aßen wir noch selbstgemachte Lasagne, wovon ich übrigens bitte noch das Rezept haben will. Ich hoffe du schickst es mir noch zu. =)

Ach ja und die Story mit dem Radfahrer? Na gut, er schaute in die Pizzabox, und ich dachte, wow er muss ja krassen Hunger haben, dass er die jetzt schon essen will. Stattdessen hat er gar kein großes Pizzastück gegessen, sondern nur so kleine Häppchen. Unsere Theorien, die wir aufgestellt habe, waren urlustig, jedoch kann ich die gar nicht mehr so genau wiedergeben, wieso er nur den Belag heruntergegessen hat. Vielleicht magst du es ja nochmal kommentieren, Hannes :D

Übrigens: Als wir auf dem Weg zur Elbe waren, haben wir den Typen mit dem Rad erneut getroffen, diesmal mit zwei Pizzakartons, aber nicht am naschen. Er sah aber nicht aus, wie ein Pizzalieferant.



Copyright © 2014. All rights reserved.

Posted 15. August 2014 by Frau Krearah in category Allgemein

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>